09.09.2013, Leipzig

Elektromobiler Praxistest der Stadtwerke Leipzig kommt ins Rollen

Fahrzeugübergabe Stadtwerke Leipzig

Staatssekretär Bomba (2.v.l.) und Staatsminister Morlok (2.v.r.) übergeben die Elektrofahrzeuge an die Stadtwerke Leipzig GmbH.

Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung übergab heute offiziell neun neue Elektroautos an die Netz Leipzig, eine 100-prozentige Tochter der Stadtwerke Leipzig. Mit den neuen Elektrofahrzeugen gehört die Elektroflotte der Stadtwerke Leipzig Gruppe mit insgesamt elf Autos zu den größten in Mitteldeutschland.

„Die Projekte in den Schaufenstern Elektromobilität laufen mittlerweile auf Hochtouren", so Staatssekretär Rainer Bomba heute bei der Übergabe der Autos in Leipzig. „Insgesamt stellt die Bundesregierung bis zu 180 Mio. Euro für Forschungs- und Demonstrationsprojekte in den vier Schaufenstern Elektromobilität zur Verfügung. E-Autos in Flotten zu integrieren und im Alltag zu erproben, gehört dabei zu den Förderschwerpunkten - insbesondere des Bundesverkehrsministeriums. Wenn die Menschen mehr und mehr Elektroautos auf den Straßen sehen und im Alltag erleben, wird auch die Akzeptanz für diese innovative Mobilitätsform weiter steigen." Zudem hob Staatssekretär Bomba hervor, dass aus dem Projekt „Flottenaufbau" in Leipzig wichtige Erkenntnisse für die Begleitforschung des Bundes zur Elektromobilität fließen werden: „Die Erfahrungen aus den laufenden Forschungs- und Entwicklungsprojekten – ob technologisch, aus Sicht der Nutzer oder aus stadt- und verkehrsplanerischer Perspektive - sollen dabei helfen, den Markthochlauf erfolgreich vorzubereiten."

In den Projekten des bayerisch-sächsischen Schaufensters ELEKTROMOBILITÄT VERBINDET sollen Praxistests zeigen, wie Elektromobilität unter Alltagsbedingungen funktionieren kann. „Dass sich Sachsen und Bayern gemeinsam im Wettbewerb der Bundesregierung um die Beteiligung am Schaufenster ELEKT-ROMOBILITÄT VERBINDET erfolgreich durchsetzen konnten, zeigt, wie leistungsfähig unsere beiden Bundesländer in diesem innovativen und auf viele Branchen ausstrahlendem Technologiefeld bereits heute sind.", so der Sächsische Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Sven Morlok. Als Testfahrer hat die Netz Leipzig Mitarbeiter ausgewählt, die viele Kilometer in der Stadt unterwegs sind. Hier kann die Elektromobilität mit einem CO2-freien, lärmarmen und kostengünstigen Betrieb ihre ganzen Vorteile ausspielen. Staatsminister Sven Morlok: „Die Elektromobilität wird in städtischen Verdichtungsräumen schnell an Bedeutung gewinnen. Bereits mit den jetzigen Batteriekapazitäten lassen sich die durchschnittlichen Wegstrecken gut bewältigen. Der Freistaat fördert mit 15 Mio. Euro Projekte im Schaufenster, die sich unter anderem der Erforschung der Alltagstauglichkeit als auch dem Absenken von Zugangsschwellen widmen." Es geht um nichts weniger, als in der Bevölkerung Akzeptanz für diese neue Technologie zu schaffen und funktionierende Geschäftsmodelle für Anwender zu finden.

Härtetest im Alltag
Auch wenn die Mitarbeiter das eine oder andere Auto bereits vorab ausführlich testen konnten, fahren sie ab jetzt im einheitlichen Design durch die Messestadt. Mit der Elektroflotte werden künftig zwei Meister und ein Baustellenkontrolleur genauso umweltfreundlich durch Leipzig rollen wie insgesamt fünf Monteure – die einen mit Mitsubishi i-MiEVs, die anderen mit Renault Kangoos. Der Netz Leipzig geht es vordergründig darum, einen Beitrag für die Umwelt und für ein sauberes Leipzig zu leisten.

Leipzig als Vorzeigeregion in Sachen Elektromobilität
Seit Jahren sind die Stadtwerke Leipzig ein wichtiger Motor für die Elektromobilität in der Region. „In Leipzig sind bereits 31 Ladesäulen installiert, und seit 2011 sind in der Stadtverwaltung zehn Mitsubishi i-MiEVs erfolgreich im Einsatz“, erklärt Heiko Rosenthal, Bürgermeister für Umwelt, Ordnung und Sport in Leipzig: „Wer unsere Stadt per Elektrofahrzeug besucht, findet ganz sicher eine freie Ladesäule in der Nähe.“ Damit sind die Messestädter Vorreiter in Sachen Ladeinfrastruktur und mit 26 Elektroautos führend im mitteldeutschen Flottenbetrieb. Raimund Otto, Geschäftsführer der Stadtwerke Leipzig, hebt hervor: „Unternehmen, die ihren Kunden oder Mitarbeitern Lademöglichkeiten vor der Tür bieten wollen, sind bei den Stadtwerken Leipzig in kompetenten Händen. Auch künftig wollen wir die Infrastruktur weiter bedarfsgerecht ausbauen.“

Mit etwas mehr als 1,7 Mio. Euro sorgt das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Projekt „Multiplikativer Flottenaufbau und wissenschaftliche Begleitung" dafür, dass die Stadtwerke Leipzig gemeinsam mit der Universität Leipzig und dem Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) an dem Thema Elektromobilität forschen können. Ziel der Stadtwerke Leipzig ist neben dem bedarfsgerechten Ausbau der Ladeinfrastruktur in Leipzig der Ausbau der Fahrzeugflotte mit Multiplikatoren. Durch die Universität Leipzig wissenschaftlich begleitet, wird dabei das monetäre Potenzial der Batteriespeicher von Elektrofahrzeugen erforscht und auf Nutzungsmöglichkeiten untersucht. Das DBFZ analysiert und evaluiert zudem die möglichen Synergieeffekte von Bioenergie und Elektromobilität für besonders klimafreundliche Mobilität, eingebettet in regionale Gegebenheiten. „Wir freuen uns sehr, dass wir als DBFZ im Vorhaben mit unseren Untersuchungen einen Beitrag dazu leisten , besser zu verstehen, unter welchen Bedingungen Bioenergieträger bzw. insbesondere Biokraftstoffe ihre Vorteile in Einklang mit Elektromobilität ausspielen können", begründet Dr.-Ing. Franziska Müller-Langer die Forschungsarbeit.

Damit sich Elektromobilität durchsetzen kann

Die Stadtwerke haben sich darüber hinaus die Entwicklung eines Geschäftsmodells auf die Fahnen geschrieben. „Deutschlandweit wird eine flächendeckende Ladeinfrastruktur nur entstehen, wenn die Anbieter damit auch Geld verdienen können", bringt Raimund Otto die so einfache wie logische Herausforderung auf den Punkt. „Elektrische Energie als Antrieb ist preiswerter als fossile – aber kostenlos kann auch sie nicht angeboten werden. Wir arbeiten an einem Geschäftsmodell, das es ermöglicht, Elektrofahrzeuge bedarfsgerecht, preiswert und auch einfach laden zu können", erklärt der Geschäftsführer.

Stromer für die Stromer

Wer, wie die Mitarbeiter der Netz Leipzig, jeden Tag bis zu 80 oder 90 km in der Stadt unterwegs ist, lernt die Vorteile der Elektromobilität schnell zu schätzen: Leise und sauber, aber auch gut erkennbar, fahren die Meister, Monteure und der Baustellenkontrolleur in ihren blau-weißen Elektrofahrzeugen durch Leipzig. Die Mitsubishi i-MiEVs und Renault Kangoos surren nur so von einer Einsatzstelle zur nächsten. „Die Elektrofahrzeuge sind für unsere Einsatzzwecke auf kurzen Strecken in Wohngebieten und in der Innenstadt wie geschaffen. Sie unterstützen unsere Mitarbeiter darin, einen zuverlässigen Netzbetrieb sicherzustellen", erzählt Jan Fuhrberg-Baumann, Geschäftsführer der Netz Leipzig. „Die Flotte ist bereits in der Stadt unterwegs und die ersten Rückmeldungen der Leipziger fallen sehr positiv aus."

Die Monteure der Netz Leipzig beispielsweise fahren mit elektrischen Renault Kangoos zu ihren Baustellen. Der Laderaum wurde nach den Bedürfnissen der Monteure eingerichtet. „Die ersten Praxistests sind bereits bestanden, und so können alle anstehenden Aufträge effizient und unkompliziert erledigt werden", fasst Fuhrberg-Baumann zusammen. Auch wenn die Leitstelle in der Eutritzscher Straße plötzlich einen Schaden meldet, kann der Monteur sofort handeln. „Die schnelle Wiederversorgung hat bei uns oberste Priorität", betont Fuhrberg-Baumann das Selbstverständnis der Netz Leipzig Mitarbeiter.

Damit es zu einem Versorgungsausfall aber gar nicht erst kommt, hat die Netztochter der Stadtwerke Leipzig einen Baustellenkontrolleur, der täglich 17 bis 20 Baustellen in Leipzig abfährt – stichprobenartig. Seine Sicherheitskleidung passt locker in den Kofferraum des Mitsubishi i-MiEV. Und mehr braucht er nicht, um Präsenz zu zeigen, Schachtgenehmigungen zu prüfen und vor Ort über den richtigen Umgang mit den Versorgungsleitungen aufzuklären. Ziel seiner Aufklärungsarbeit ist es, Schäden zu verhindern, die in einigen Jahren zu Versorgungsausfällen führen können.

Außerdem sind künftig zwei Meister mit Mitsubishi i-MiEVs unterwegs. Sie fahren die eigenen Baustellen ab. Jedes Jahr betreut die Netz Leipzig über 1 500 kleinere und größere Bauvor-haben, über das ganze Stadtgebiet verteilt. Das fordert von den verantwortlichen Meistern einiges an Koordination und jede Menge Fahrkilometer.

Sicher, Elektrofahrzeuge eignen sich noch nicht für jedes Einsatzgebiet. „Der Bereitschaftsdienst und die Fahrer, die mit Anhängern oder schwerem Gerät unterwegs sind, kommen derzeit nicht in den Genuss der innovativen Technik", zeigt Raimund Otto die noch bestehenden Grenzen der Elektromobilität auf. „Für alle anderen Bereiche ist es jedoch sehr gut vorstellbar, perspektivisch auf den sauberen und preiswerten Antrieb umzusteigen."

Weitere Informationen zum Projekt "Aufbau einer kommunalen Elektrofahrzeugflotte" finden Sie hier.

Förderung und Koordination

Gefördert durch:

Webauftritt des Bayerischen Staatsministeriums Webauftritt des Freistaats Sachsen

Das Schaufenster Bayern-Sachsen wird koordiniert durch:

Webauftritt von bayern innovativ Webauftritt der Sächsischen Energie Agentur